Gefährdungen im Pflegeheim | Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung

Gefährdungen im Pflegeheim – Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung

Pflegeheime gehören zu den anspruchsvollsten Arbeitsbereichen im Gesundheits- und Sozialwesen. Beschäftigte übernehmen täglich die Betreuung, Versorgung und Pflege von Bewohnern mit unterschiedlichsten gesundheitlichen Einschränkungen. Neben körperlichen Belastungen sind Pflegekräfte dabei biologischen, psychischen, organisatorischen und technischen Gefährdungen ausgesetzt.

Besondere Herausforderungen entstehen durch die Versorgung von Menschen mit Demenz, die Betreuung multimorbider Bewohner, die Durchführung von Transfers sowie den Umgang mit Infektionskrankheiten und multiresistenten Erregern. Gleichzeitig müssen Pflegeheime hohe Anforderungen an Hygiene, Brandschutz, Notfallmanagement und Arbeitsschutz erfüllen.

Eine systematische Gefährdungsbeurteilung hilft dabei, Gefahren frühzeitig zu erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Die nachfolgende Übersicht zeigt typische Gefährdungen im Pflegeheim sowie mögliche Auswirkungen auf Beschäftigte und Bewohner.

Typische Gefährdungen im Pflegeheim

Gefährdungsfaktor Mögliche Gefahr Mögliche Folgen
Biologische Arbeitsstoffe Kontakt mit infektiösen Bewohnern Infektionskrankheiten und Arbeitsausfälle
Kontakt mit Körperflüssigkeiten Gesundheitsgefährdungen
Übertragung von Krankheitserregern Infektionsrisiken für Beschäftigte
MRSA, MRGN und Noroviren Kontakt mit multiresistenten Erregern Infektionsrisiken
Ausbrüche von Noroviren Erkrankungen von Bewohnern und Beschäftigten
Fehlerhafte Hygienemaßnahmen Keimverschleppung
Bewohnertransfers Umlagern pflegebedürftiger Bewohner Rücken- und Bandscheibenschäden
Transfer vom Bett in den Rollstuhl Muskel-Skelett-Erkrankungen
Heben ohne Hilfsmittel Körperliche Überlastung
Demenz und Orientierungslosigkeit Weglauftendenzen von Bewohnern Gefährdung der Bewohner
Unvorhersehbare Verhaltensweisen Stresssituationen
Orientierungsverlust Erhöhtes Unfallrisiko
Gewalt und Aggression Verbale Übergriffe Psychische Belastungen
Körperliche Angriffe durch Bewohner Verletzungen
Konflikte mit Angehörigen Stress und Unsicherheit
Psychische Belastungen Sterbebegleitung Emotionale Belastungen
Personalmangel Überlastung
Zeitdruck Stress und Erschöpfung
Arbeitszeit Nachtschichten Schlafstörungen
Wechselschichtsysteme Gesundheitliche Belastungen
Überstunden Erhöhtes Fehlerrisiko
Gefahrstoffe Desinfektionsmittel Hautreizungen
Reinigungsmittel Allergische Reaktionen
Arzneimittelkontakt Gesundheitliche Beschwerden
Nadelstichverletzungen Verletzungen durch Kanülen Infektionsrisiken
Unsachgemäße Entsorgung Stichverletzungen
Fehlende Sicherheitsprodukte Übertragung von Krankheitserregern
Elektrische Betriebsmittel Defekte Pflegehilfsmittel Stromschläge
Beschädigte Kabel Brandgefahr
Mangelhafte Elektroinstallationen Elektrounfälle
Brandschutz Defekte Elektrogeräte Brände
Blockierte Rettungswege Erschwerte Evakuierung
Fehlende Notfallplanung Gefährdung von Bewohnern und Beschäftigten
Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahren Nasse Böden Sturzunfälle
Lose Bodenbeläge Verletzungen
Unzureichende Beleuchtung Erhöhtes Unfallrisiko
Organisation und Dokumentation Dokumentationsfehler Versorgungsfehler
Kommunikationsmängel Informationsverluste
Unklare Zuständigkeiten Organisatorische Risiken

Besondere Herausforderungen im Pflegeheim

Pflegeheime vereinen pflegerische, medizinische, soziale und organisatorische Aufgaben. Beschäftigte müssen nicht nur die Gesundheit und Sicherheit der Bewohner gewährleisten, sondern gleichzeitig vielfältige Arbeitsschutzanforderungen erfüllen. Besonders wichtig sind dabei ergonomische Arbeitsbedingungen, ein wirksamer Infektionsschutz, der sichere Umgang mit Medizinprodukten sowie Maßnahmen zur Reduzierung psychischer Belastungen.

Durch die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen, den Fachkräftemangel und die zunehmende Komplexität der Pflege gewinnt die Gefährdungsbeurteilung als zentrales Instrument des Arbeitsschutzes immer mehr an Bedeutung.

Weiterführende Informationen

Weitere Gefährdungen im Pflegebereich

Schutzmaßnahmen im Pflegeheim nach dem STOP-Prinzip

Pflegeheime vereinen pflegerische, medizinische, soziale und organisatorische Tätigkeiten unter einem Dach. Die Vielzahl möglicher Gefährdungen erfordert eine systematische Herangehensweise an den Arbeitsschutz. Bewährt hat sich hierbei das STOP-Prinzip, welches die Rangfolge von Schutzmaßnahmen festlegt und Arbeitgeber dabei unterstützt, Risiken wirksam zu minimieren.

S – Substitution

  • Einsatz von Sicherheitskanülen anstelle herkömmlicher Kanülen
  • Verwendung hautschonender Desinfektionsmittel
  • Ersatz gefährlicher Reinigungsmittel durch weniger belastende Produkte
  • Einsatz ergonomischer Hilfsmittel für Bewohnertransfers
  • Verwendung sicherer Medizinprodukte

T – Technische Schutzmaßnahmen

  • Elektrisch höhenverstellbare Pflegebetten
  • Patientenlifter und Transferhilfen
  • Stichsichere Entsorgungsbehälter
  • Automatische Desinfektionsspender
  • Brandmeldeanlagen
  • Rauchwarnsysteme
  • Notrufsysteme
  • Fluchtwegbeleuchtungen

O – Organisatorische Schutzmaßnahmen

  • Gefährdungsbeurteilungen
  • Hygienepläne
  • Unterweisungen
  • Evakuierungskonzepte
  • Notfallmanagement
  • Dienst- und Schichtplanung
  • Gewaltpräventionskonzepte
  • Demenzkonzepte

P – Persönliche Schutzmaßnahmen

  • Einmalhandschuhe
  • Schutzkittel
  • Mund-Nasen-Schutz
  • FFP2-Masken
  • Schutzbrillen
  • Rutschhemmendes Schuhwerk

TRBA 250 im Pflegeheim

Die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) konkretisiert die Anforderungen der Biostoffverordnung für Tätigkeiten im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Pflegeheime müssen die Vorgaben der TRBA 250 bei der Erstellung ihrer Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigen.

Beschäftigte kommen regelmäßig mit biologischen Arbeitsstoffen in Kontakt. Dies betrifft insbesondere Körperausscheidungen, Wundversorgung, Körperpflege, Desinfektionsmaßnahmen sowie Tätigkeiten bei infektiösen Bewohnern.

Wichtige Inhalte der TRBA 250

  • Händehygiene
  • Schutz vor Infektionen
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Nadelstichprävention
  • Abfallentsorgung
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge
  • Unterweisungen
  • Hygienemanagement

Demenz, Weglauftendenzen und herausforderndes Verhalten

Ein erheblicher Anteil der Bewohner in Pflegeheimen leidet an dementiellen Erkrankungen. Dadurch entstehen besondere Anforderungen an Beschäftigte und Organisation.

Typische Gefährdungen

  • Weglauftendenzen
  • Orientierungslosigkeit
  • Unvorhersehbares Verhalten
  • Sturzgefährdungen
  • Aggressives Verhalten
  • Selbstgefährdung von Bewohnern

Empfohlene Schutzmaßnahmen

  • Demenzgerechte Wohnbereiche
  • Geschulte Beschäftigte
  • Dokumentierte Notfallabläufe
  • Orientierungshilfen
  • Sturzpräventionsmaßnahmen
  • Regelmäßige Fallbesprechungen

MRSA, MRGN und Norovirus im Pflegeheim

Pflegeheime sind aufgrund der engen Kontakte zwischen Bewohnern und Beschäftigten besonders anfällig für die Verbreitung von Infektionskrankheiten und multiresistenten Erregern.

Typische Erreger

  • MRSA
  • MRGN
  • VRE
  • Norovirus
  • Influenza
  • COVID-19
  • Clostridioides difficile

Schutzmaßnahmen

  • Händedesinfektion
  • Isolationsmaßnahmen
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Flächendesinfektion
  • Hygieneunterweisungen
  • Infektionsmanagement

Bewohnertransfers und ergonomische Belastungen

Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen in Pflegeheimen. Besonders belastend sind Umlagerungen und Mobilisationsmaßnahmen.

Typische Belastungen

  • Transfer vom Bett in den Rollstuhl
  • Umlagerungen bettlägeriger Bewohner
  • Mobilisation nach Krankenhausaufenthalten
  • Arbeiten in Zwangshaltungen
  • Heben schwerer Lasten

Schutzmaßnahmen

  • Patientenlifter
  • Aufstehhilfen
  • Rutschbretter
  • Elektrische Pflegebetten
  • Ergonomieschulungen
  • Ausreichende Personalbesetzung

Gewaltprävention im Pflegeheim

Gewalt gegenüber Beschäftigten stellt auch in Pflegeheimen ein relevantes Arbeitsschutzthema dar. Ursachen können Erkrankungen, Demenz, psychische Belastungen oder Konflikte mit Angehörigen sein.

Mögliche Formen von Gewalt

  • Verbale Beleidigungen
  • Bedrohungen
  • Schlagen
  • Treten
  • Kratzen
  • Sexuelle Belästigungen

Präventionsmaßnahmen

  • Deeskalationstrainings
  • Gewaltpräventionskonzepte
  • Meldesysteme für Vorfälle
  • Unterstützungsangebote
  • Regelmäßige Unterweisungen

Brandschutz und Evakuierung im Pflegeheim

Der Brandschutz nimmt in Pflegeheimen eine besondere Rolle ein, da viele Bewohner nur eingeschränkt mobil sind und im Notfall auf Unterstützung angewiesen sind.

Typische Risiken

  • Defekte Elektrogeräte
  • Elektrische Pflegehilfsmittel
  • Unsachgemäßer Umgang mit Sauerstoff
  • Blockierte Rettungswege
  • Fehlende Evakuierungsplanung

Wichtige Schutzmaßnahmen

  • Brandschutzordnungen
  • Evakuierungsübungen
  • Brandschutzhelfer
  • Regelmäßige Prüfungen technischer Anlagen
  • Freihalten von Rettungswegen
  • Unterweisungen der Beschäftigten

Psychische Belastungen im Pflegeheim

Neben körperlichen Belastungen stellen psychische Belastungen eine wesentliche Herausforderung dar. Zeitdruck, Personalmangel und emotionale Belastungen können langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.

Belastungsfaktoren

  • Sterbebegleitung
  • Personalmangel
  • Arbeitsverdichtung
  • Schichtarbeit
  • Konflikte mit Angehörigen
  • Emotionale Bindung zu Bewohnern

Empfohlene Maßnahmen

  • Supervisionen
  • Fallbesprechungen
  • Gesundheitsförderung
  • Psychologische Unterstützungsangebote
  • Ausreichende Erholungszeiten

BGW-Regelwerke und wichtige Informationsquellen

Referenzen aus dem Pflegebereich

KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens bei der Umsetzung von Arbeitsschutzanforderungen, Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen.

Zu den von uns betreuten Einrichtungen zählt unter anderem der

Caritasverband Moers-Xanten e.V.

Dabei unterstützen wir Pflegeeinrichtungen unter anderem bei der Erstellung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, psychischen Gefährdungsbeurteilungen sowie der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Teilnahme an ASA Sitzungen, Regelmäßige Betriebsbegehungen, Jour-Fix Gespräche.

Häufige Fragen zu Gefährdungen im Pflegeheim

Ist eine Gefährdungsbeurteilung im Pflegeheim Pflicht?

Ja. Arbeitgeber sind nach § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Gefährdungen systematisch zu ermitteln und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen.

Welche Gefährdungen treten im Pflegeheim besonders häufig auf?

Zu den häufigsten Gefährdungen zählen biologische Arbeitsstoffe, Bewohnertransfers, psychische Belastungen, Schichtarbeit, Gewaltvorfälle sowie Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle.

Welche Bedeutung hat die TRBA 250?

Die TRBA 250 beschreibt Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen und ist ein wichtiges Regelwerk für Pflegeheime.

Wie können Rückenbelastungen reduziert werden?

Durch technische Hilfsmittel, ergonomische Arbeitsweisen, ausreichende Personalressourcen und regelmäßige Schulungen können körperliche Belastungen deutlich reduziert werden.

Welche Rolle spielt die BGW?

Die BGW unterstützt Pflegeeinrichtungen mit Handlungshilfen, Schulungen und branchenspezifischen Informationen zum Arbeitsschutz.

Weitere Gefährdungen im Pflegebereich

Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung im Pflegeheim

Die Anforderungen an Pflegeheime steigen kontinuierlich. Eine fachgerecht erstellte Gefährdungsbeurteilung bildet die Grundlage für sichere Arbeitsbedingungen, gesunde Beschäftigte und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.

KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Pflegeeinrichtungen bei der Erstellung, Aktualisierung und Dokumentation von Gefährdungsbeurteilungen sowie bei der Umsetzung praxisnaher Arbeitsschutzmaßnahmen. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die den Anforderungen der BGW, DGUV, BAuA und den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

KUHP Arbeitssicherheit – Ihr Büro für Arbeitssicherheit. Wir bieten die sicherheitstechnische Betreuung gemäß DGUV Vorschrift an.

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Wir arbeiten lösungsorientiert und zielführend.

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