Gefährdungen in der Metallbearbeitung und Metallverarbeitung –
Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung
Die Metallbearbeitung zählt zu den gefahrenträchtigsten Branchen im produzierenden Gewerbe. Beschäftigte arbeiten täglich an CNC-Maschinen, Drehmaschinen, Fräsmaschinen, Schweißarbeitsplätzen, Pressen und Schleifanlagen. Gleichzeitig kommen Hebezeuge, Krane, Flurförderzeuge sowie Gefahrstoffe und Kühlschmierstoffe zum Einsatz.
Die Kombination aus rotierenden Werkzeugen, schweren Werkstücken, hoher mechanischer Energie und thermischen Verfahren führt zu vielfältigen Gefährdungen. Um Arbeitsunfälle und Gesundheitsgefahren zu vermeiden, müssen Risiken systematisch bewertet und geeignete Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Die folgende Übersicht zeigt typische Gefährdungen in der Metallbearbeitung und Metallverarbeitung sowie mögliche Auswirkungen auf Beschäftigte.
Typische Gefährdungen in der Metallbearbeitung
| Gefährdungsfaktor | Mögliche Gefahr | Mögliche Folgen |
|---|---|---|
| Drehmaschinen | Erfasst werden durch rotierende Teile | Schwere Quetsch- und Einzugsverletzungen |
| Wegschleudernde Werkstücke | Kopf- und Augenverletzungen | |
| Fehlende Schutzeinrichtungen | Arbeitsunfälle | |
| Fräsmaschinen | Kontakt mit Fräswerkzeugen | Schnittverletzungen |
| Werkstückbruch | Verletzungen durch Splitter | |
| Fehlbedienungen | Personenschäden | |
| Bohrmaschinen | Erfassen von Kleidung | Schwere Verletzungen |
| Bohrspäne | Augenverletzungen | |
| Unkontrollierte Werkstücke | Quetschungen | |
| Schweißarbeiten | Schweißrauche | Atemwegserkrankungen |
| UV-Strahlung | Augenschäden | |
| Funkenflug | Brand- und Verbrennungsgefahren | |
| Schleifarbeiten | Bersten von Schleifscheiben | Schwere Verletzungen |
| Metallstaub | Atemwegsbelastungen | |
| Funkenflug | Brandgefahr | |
| Pressen und Stanzen | Quetschstellen | Amputationsverletzungen |
| Fehlbedienungen | Schwere Arbeitsunfälle | |
| Versagen von Schutzeinrichtungen | Personenschäden | |
| Kräne und Hebezeuge | Abstürzende Lasten | Tödliche Verletzungen |
| Pendelnde Lasten | Quetschungen | |
| Fehlerhaftes Anschlagen | Arbeitsunfälle | |
| Staplerverkehr | Anfahren von Personen | Schwere Verletzungen |
| Kollisionen | Sach- und Personenschäden | |
| Umstürzende Stapler | Unfallereignisse | |
| Manuelle Lastenhandhabung | Heben schwerer Metallteile | Rückenbeschwerden |
| Tragen von Werkzeugen | Muskel-Skelett-Erkrankungen | |
| Wiederholte Belastungen | Körperliche Überlastung | |
| Kühlschmierstoffe | Hautkontakt | Dermatologische Erkrankungen |
| Nebelbildung | Atemwegsbeschwerden | |
| Unsachgemäße Lagerung | Gesundheitsrisiken | |
| Lärm | Produktionsanlagen | Gehörschäden |
| Schleifmaschinen | Lärmschwerhörigkeit | |
| Pressen | Langfristige Gesundheitsschäden | |
| Elektrische Anlagen | Defekte Betriebsmittel | Stromunfälle |
| Beschädigte Kabel | Brandgefahr | |
| Fehlende Prüfungen | Elektrounfälle | |
| Brand- und Explosionsschutz | Schweißfunken | Brände |
| Brennbare Stoffe | Explosionen | |
| Gasflaschen | Schwere Schadensereignisse | |
| Psychische Belastungen | Produktionsdruck | Stress |
| Schichtarbeit | Ermüdung | |
| Liefertermine | Arbeitsverdichtung |
Besondere Herausforderungen in der Metallbearbeitung
Metallbearbeitungsbetriebe vereinen zahlreiche mechanische, elektrische, thermische und organisatorische Gefährdungen. Moderne Fertigungsprozesse erfordern daher eine systematische Gefährdungsbeurteilung sowie regelmäßige Unterweisungen der Beschäftigten.
Besondere Bedeutung besitzen die sichere Nutzung von Maschinen, die Prüfung von Arbeitsmitteln, die Vermeidung von Gefahrstoffbelastungen sowie die Organisation sicherer Verkehrs- und Produktionsabläufe.
Wichtige Regelwerke und Informationen
- BG ETEM – Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
Weitere Gefährdungen nach Branche
- Gefährdungen nach Branche
- Gefährdungen im Elektrounternehmen
- Gefährdungen auf Baustellen
- Gefährdungen im Lager
- Gefährdungen in IT-Unternehmen
- Gefährdungen im Gartenbau-Großhandel
- Gefährdungen im Hotel
- Gefährdungen in der Gastronomie
Arbeitsschutz in der Metallbearbeitung
KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Unternehmen der Metallbearbeitung und Metallverarbeitung bei der rechtssicheren Umsetzung gesetzlicher Anforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Dazu gehören unter anderem Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Maschinenbeurteilungen sowie die sicherheitstechnische Betreuung durch eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Durch praxisnahe Lösungen und branchenspezifisches Know-how unterstützen wir Unternehmen dabei, Arbeitsunfälle zu vermeiden und sichere Arbeitsbedingungen dauerhaft zu schaffen.
Sicher arbeiten in der Metallbearbeitung – Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip
In der Metallbearbeitung treffen leistungsstarke Maschinen, rotierende Werkzeuge, thermische Verfahren und schwere Werkstücke aufeinander. Um Arbeitsunfälle und Gesundheitsgefährdungen wirksam zu reduzieren, sollten Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip ausgewählt werden. Technische und organisatorische Maßnahmen besitzen dabei grundsätzlich Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung.
S – Substitution
- Einsatz emissionsarmer Kühlschmierstoffe
- Verwendung schadstoffärmerer Schweißverfahren
- Ersatz lösemittelhaltiger Reiniger durch weniger gefährliche Alternativen
- Verwendung lärmarmer Werkzeuge und Maschinen
- Einsatz automatisierter Fertigungsprozesse zur Reduzierung manueller Eingriffe
T – Technische Schutzmaßnahmen
- Maschinenverkleidungen und Schutzeinrichtungen
- Zweihandschaltungen an Pressen
- Absauganlagen für Schweißrauche und Metallstäube
- Lärmschutzkabinen
- Sichere Krananlagen und Hebezeuge
- Automatische Werkzeugwechselsysteme
- Lichtschranken und Schutzzäune
- Absturzsicherungen an Arbeitsbühnen
O – Organisatorische Schutzmaßnahmen
- Gefährdungsbeurteilungen
- Betriebsanweisungen
- Maschinenunterweisungen
- Freigabeverfahren für Wartungsarbeiten
- Regelmäßige Maschinenprüfungen
- Verkehrswegekonzepte
- Kran- und Staplerregelungen
- Notfall- und Rettungsorganisation
P – Persönliche Schutzmaßnahmen
- Sicherheitsschuhe
- Schutzbrillen
- Schweißerschutzkleidung
- Schutzhandschuhe
- Gehörschutz
- Atemschutz
- Gesichtsschutz
- Warnschutzkleidung
Maschinensicherheit in der Metallbearbeitung
Drehmaschinen, Fräsmaschinen, Pressen, Sägen und CNC-Anlagen gehören zu den wichtigsten Arbeitsmitteln in der Metallbearbeitung. Gleichzeitig entstehen hier die schwersten Arbeitsunfälle.
Typische Gefährdungen
- Einzugsstellen an rotierenden Werkzeugen
- Unkontrollierte Werkzeugbewegungen
- Wegschleudernde Werkstücke
- Versagen von Schutzeinrichtungen
- Fehlerhafte Wartungsarbeiten
Empfohlene Maßnahmen
- Regelmäßige Maschinenprüfungen
- Sicherheitsunterweisungen
- Dokumentierte Wartungsintervalle
- Funktionsprüfung von Schutzeinrichtungen
- Verwendung ausschließlich freigegebener Werkzeuge
Schweißarbeiten und Schweißrauche
Schweißarbeiten gehören in vielen metallverarbeitenden Unternehmen zum Tagesgeschäft. Dabei entstehen Schweißrauche, Gase, UV-Strahlung und thermische Gefährdungen.
Mögliche Gefahren
- Einatmen von Schweißrauchen
- UV- und Infrarotstrahlung
- Verbrennungen
- Brandentstehung durch Funkenflug
- Augenschäden
Schutzmaßnahmen
- Punktabsaugung direkt an der Entstehungsstelle
- Schweißerschutzschirme
- Atemschutz bei Bedarf
- Schweißerschutzkleidung
- Regelmäßige Unterweisungen
Für Schweißarbeiten sind insbesondere die Anforderungen der TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“ zu beachten.
Kühlschmierstoffe und Gefahrstoffe
In der spanenden Fertigung kommen häufig Kühlschmierstoffe, Reinigungsmittel und technische Öle zum Einsatz. Bei unsachgemäßem Umgang können Gesundheitsgefährdungen entstehen.
Typische Risiken
- Hautkontakt
- Atemwegsbelastungen
- Allergische Reaktionen
- Verunreinigte Kühlschmierstoffe
- Mikrobielle Belastungen
Präventionsmaßnahmen
- Gefahrstoffverzeichnis
- Sicherheitsdatenblätter
- Regelmäßige Kühlschmierstoffkontrollen
- Geeignete Schutzhandschuhe
- Hautschutzpläne
Lärm und Gehörschutz
Maschinen, Pressen, Schleifanlagen und Bearbeitungszentren erzeugen häufig hohe Lärmpegel. Dauerhafte Lärmbelastungen können zu irreversiblen Gehörschäden führen.
Typische Lärmquellen
- Pressen
- Stanzmaschinen
- Schleifanlagen
- Druckluftsysteme
- Produktionslinien
Schutzmaßnahmen
- Lärmmessungen
- Lärmmindernde Maschinen
- Schallschutzkabinen
- Gehörschutzprogramme
- Arbeitsmedizinische Vorsorge
Krane, Anschlagmittel und Hebezeuge
Der Transport schwerer Werkstücke erfolgt häufig mit Hallenkranen, Portalkranen oder Hebezeugen. Fehler beim Anschlagen von Lasten können schwerwiegende Folgen haben.
Typische Gefährdungen
- Abstürzende Lasten
- Pendelnde Lasten
- Beschädigte Anschlagmittel
- Fehlerhafte Lastaufnahmen
- Unzureichende Sichtverhältnisse
Wichtige Schutzmaßnahmen
- Prüfung von Anschlagmitteln
- Kranführerschulungen
- Lastaufnahmepläne
- Klare Kommunikationsregeln
- Sperrbereiche unter Lasten
Lockout/Tagout (LOTO) bei Wartungsarbeiten
Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten zählen zu den gefährlichsten Tätigkeiten in der Metallbearbeitung. Maschinen müssen vor Beginn der Arbeiten sicher gegen Wiedereinschalten gesichert werden.
Ziele von Lockout/Tagout
- Vermeidung unbeabsichtigter Maschinenstarts
- Schutz von Wartungspersonal
- Verhinderung schwerer Quetsch- und Einzugsunfälle
- Sichere Freischaltung von Energiequellen
Typische Energiequellen
- Elektrische Energie
- Druckluft
- Hydraulik
- Pneumatik
- Mechanische Restenergien
Brandschutz und Explosionsschutz
Metallbearbeitungsbetriebe verfügen häufig über Schweißplätze, Gasflaschenlager, Lackierbereiche oder brennbare Stoffe. Dadurch entstehen erhöhte Brand- und Explosionsrisiken.
Gefahrenquellen
- Schweißfunken
- Schneidarbeiten
- Brennbare Flüssigkeiten
- Technische Defekte
- Gasflaschen
Empfohlene Maßnahmen
- Brandschutzordnung
- Brandschutzhelfer
- Heißarbeitsgenehmigungen
- Feuerlöscher und Löschmittel
- Regelmäßige Brandschutzunterweisungen
Persönliche Schutzausrüstung in der Metallbearbeitung
Die persönliche Schutzausrüstung ergänzt technische und organisatorische Maßnahmen und muss auf die jeweiligen Tätigkeiten abgestimmt sein.
- Sicherheitsschuhe S3
- Schutzbrillen
- Gesichtsschutz
- Gehörschutz
- Schweißerschutzkleidung
- Schnittschutzhandschuhe
- Atemschutz
- Warnschutzkleidung
BG ETEM, DGUV und weitere Regelwerke
- BG ETEM – Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
- DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
- BAuA – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Gefährdungen treten in der Metallbearbeitung besonders häufig auf?
Zu den häufigsten Gefährdungen gehören Maschinenunfälle, Schweißrauche, Lärmbelastungen, Gefahrstoffe, Quetschungen durch Krane sowie Verletzungen durch scharfkantige Werkstücke.
Ist eine Gefährdungsbeurteilung verpflichtend?
Ja. Arbeitgeber sind nach § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Gefährdungen zu ermitteln, zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen.
Warum sind Schweißrauche so gefährlich?
Schweißrauche können gesundheitsschädliche Stoffe enthalten und langfristig Atemwegserkrankungen verursachen. Deshalb sind Absaugungen und geeignete Schutzmaßnahmen besonders wichtig.
Welche Rolle spielt die BG ETEM?
Die BG ETEM unterstützt Unternehmen der Metallbearbeitung mit Informationen, Handlungshilfen, Schulungen und Präventionsangeboten.
Referenzen aus der Metallbearbeitung
KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Unternehmen der Metallbearbeitung und Metallverarbeitung bei der rechtssicheren Umsetzung von Arbeitsschutzanforderungen, der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen sowie der kontinuierlichen Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb.
Durch praxisnahe Betreuung, regelmäßige Begehungen und branchenspezifische Beratung unterstützen wir Unternehmen dabei, sichere Arbeitsbedingungen zu schaffen und Arbeitsunfälle nachhaltig zu reduzieren.