Gefährdungen im Elektrounternehmen – Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung
Elektrounternehmen gehören zu den Branchen mit besonders hohen Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Beschäftigte arbeiten täglich an elektrischen Anlagen, Betriebsmitteln, Verteilungen, Schaltschränken, Maschinen, Photovoltaikanlagen und technischen Einrichtungen. Neben den Gefährdungen durch elektrischen Strom bestehen zahlreiche weitere Risiken durch Arbeiten auf Baustellen, Leitern, Gerüsten, Dächern und bei Wartungs- sowie Instandhaltungsarbeiten.
Besonders kritisch sind Arbeiten unter Spannung, das Arbeiten in der Nähe spannungsführender Teile sowie Tätigkeiten auf Baustellen mit wechselnden Arbeitsbedingungen. Hinzu kommen körperliche Belastungen, Gefahrstoffe, Absturzrisiken und psychische Belastungen durch Termin- und Zeitdruck.
Eine systematische Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz bildet die Grundlage für sichere Arbeitsbedingungen und unterstützt Elektrounternehmen bei der Umsetzung der Anforderungen der DGUV Vorschrift 3, der Betriebssicherheitsverordnung sowie weiterer Arbeitsschutzvorschriften.
Typische Gefährdungen im Elektrounternehmen
| Gefährdungsfaktor | Mögliche Gefahr | Mögliche Folgen |
|---|---|---|
| Elektrischer Strom | Berührung spannungsführender Teile | Stromschlag und schwere Verletzungen |
| Fehlerhafte Anlagen | Elektrounfälle | |
| Defekte Betriebsmittel | Lebensgefährliche Verletzungen | |
| Arbeiten unter Spannung | Direkter Kontakt mit spannungsführenden Teilen | Schwere Stromunfälle |
| Lichtbogenbildung | Verbrennungen und Augenverletzungen | |
| Fehlerhafte Arbeitsverfahren | Schwere Personenschäden | |
| Lichtbogengefahren | Kurzschlüsse | Verbrennungen |
| Schalthandlungen | Augenverletzungen | |
| Störlichtbögen | Schwere Körperverletzungen | |
| Leitern und Tritte | Umkippen der Leiter | Absturzunfälle |
| Fehlende Sicherung | Verletzungen | |
| Beschädigte Leitern | Stürze aus großer Höhe | |
| Gerüste | Absturz vom Gerüst | Schwere Verletzungen |
| Fehlende Absturzsicherung | Personenschäden | |
| Unsachgemäße Nutzung | Unfallereignisse | |
| Photovoltaikanlagen | Arbeiten auf Dächern | Absturzunfälle |
| Gleichspannungsanlagen | Stromschläge | |
| Witterungseinflüsse | Erhöhte Unfallgefahr | |
| Baustellenbetrieb | Unübersichtliche Arbeitsbereiche | Kollisionen und Verletzungen |
| Arbeiten verschiedener Gewerke | Gefährdungen durch Fremdfirmen | |
| Baustellenverkehr | Anfahrunfälle | |
| Handmaschinen und Elektrowerkzeuge | Bohrmaschinen und Winkelschleifer | Schnitt- und Quetschverletzungen |
| Defekte Werkzeuge | Verletzungen | |
| Fehlende Schutzeinrichtungen | Arbeitsunfälle | |
| Heben und Tragen | Kabeltrommeln | Rückenbeschwerden |
| Materialtransporte | Muskel-Skelett-Erkrankungen | |
| Schaltschränke | Körperliche Überlastung | |
| Gefahrstoffe und Stäube | Bohrstaub | Atemwegsbelastungen |
| Quarzstaub | Langfristige Gesundheitsschäden | |
| Asbest in Bestandsgebäuden | Schwere Erkrankungen | |
| Alleinarbeit | Arbeiten ohne Unterstützung | Verzögerte Hilfeleistung |
| Notdiensteinsätze | Erhöhte Gefährdung | |
| Kundendiensttätigkeiten | Sicherheitsrisiken | |
| Psychische Belastungen | Termin- und Zeitdruck | Stress und Überlastung |
| Fachkräftemangel | Arbeitsverdichtung | |
| Hohe Verantwortung | Psychische Beanspruchungen | |
| Brandschutz | Elektrische Defekte | Brände |
| Kurzschlüsse | Sachschäden | |
| Fehlende Schutzmaßnahmen | Brand- und Personengefahren |
Besondere Herausforderungen im Elektrohandwerk
Elektrounternehmen arbeiten häufig auf Baustellen, in Industrieanlagen, Gewerbebetrieben und Privatobjekten. Die Gefährdungen ändern sich dadurch regelmäßig. Eine sorgfältige Planung, sichere Arbeitsverfahren sowie regelmäßige Unterweisungen sind entscheidend für die Vermeidung schwerer Arbeitsunfälle.
Besondere Bedeutung besitzen die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik, die Anforderungen der DGUV Vorschrift 3 sowie die Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten.
Wichtige Regelwerke und Informationen
- BG ETEM – Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
- DGUV Vorschrift 3 – Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
Weitere Gefährdungen nach Branche
- Gefährdungen nach Branche
- Gefährdungen auf Baustellen
- Gefährdungen im Lager
- Gefährdungen im Büro
- Gefährdungen im Gartenbau-Großhandel
- Gefährdungen im Hotel
- Gefährdungen in der Gastronomie
- Gefährdungen in der Arztpraxis
- Gefährdungen in der Pflege
Referenzen aus dem Elektrohandwerk
KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Elektrofachbetriebe, Elektromontageunternehmen und Dienstleister der Elektrotechnik bei der rechtssicheren Umsetzung von Arbeitsschutzanforderungen im betrieblichen Alltag.
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Zu unseren Aufgaben gehören unter anderem die Erstellung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen, die Durchführung von Baustellenbegehungen, die Unterstützung bei der Organisation sicherer Arbeitsabläufe sowie die Beratung zu den Anforderungen der DGUV Vorschrift 3, der Betriebssicherheitsverordnung und weiterer relevanter Regelwerke.
Dabei stehen praxisnahe Lösungen im Vordergrund, die sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch den besonderen Herausforderungen des Elektrohandwerks gerecht werden.
Schutzmaßnahmen im Elektrohandwerk nach dem STOP-Prinzip
Arbeiten an elektrischen Anlagen, Betriebsmitteln und Energieversorgungssystemen gehören zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Handwerk. Stromunfälle, Lichtbögen und Abstürze können schwerwiegende oder sogar tödliche Folgen haben. Deshalb sollten Schutzmaßnahmen im Elektrohandwerk konsequent nach dem STOP-Prinzip ausgewählt und umgesetzt werden.
S – Substitution
- Einsatz berührungssicherer Systeme
- Verwendung moderner Schutztechnik
- Ersatz beschädigter Betriebsmittel
- Einsatz staubarmer Bearbeitungsverfahren
- Verwendung sicherer Arbeitsverfahren anstelle gefährlicher Tätigkeiten
T – Technische Schutzmaßnahmen
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD)
- Abschrankungen spannungsführender Teile
- Absturzsicherungen auf Dächern
- Leiter- und Gerüstsicherungen
- Absaugtechnik bei Bohr- und Stemmarbeiten
- Lichtbogenschutzsysteme
- Schutzisolierte Werkzeuge
- Prüfung elektrischer Betriebsmittel
O – Organisatorische Schutzmaßnahmen
- Gefährdungsbeurteilungen
- Arbeitsfreigaben
- Baustellenkoordination
- Unterweisungen
- Arbeitsanweisungen
- Notfallorganisation
- Regelmäßige Sicherheitsgespräche
- Prüf- und Wartungspläne
P – Persönliche Schutzmaßnahmen
- Elektriker-Schutzhelm
- Schutzbrille
- Isolierende Schutzhandschuhe
- Lichtbogenschutzkleidung
- Sicherheitsschuhe
- Atemschutz bei staubintensiven Tätigkeiten
- Warnschutzkleidung
Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik
Die fünf Sicherheitsregeln bilden die wichtigste Grundlage für sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen. Sie dienen dem Schutz vor Stromschlägen und Lichtbogenunfällen und müssen vor Beginn elektrischer Arbeiten konsequent angewendet werden.
- Freischalten
- Gegen Wiedereinschalten sichern
- Spannungsfreiheit feststellen
- Erden und kurzschließen
- Benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
Die Einhaltung dieser Sicherheitsregeln gehört zu den zentralen Anforderungen der DGUV Vorschrift 3 sowie der VDE-Regelwerke.
Arbeiten unter Spannung (AuS)
Arbeiten unter Spannung dürfen nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Hierbei bestehen erhebliche Gefahren durch Stromschläge, Lichtbögen und Verbrennungen.
Typische Risiken
- Direkter Kontakt mit spannungsführenden Teilen
- Störlichtbögen
- Fehlbedienungen
- Ungeeignete Werkzeuge
- Mangelhafte Arbeitsvorbereitung
Schutzmaßnahmen
- Spezielle AuS-Ausbildung
- Geeignete PSA
- Verwendung isolierter Werkzeuge
- Dokumentierte Arbeitsverfahren
- Gefährdungsbeurteilung vor Arbeitsbeginn
DGUV Vorschrift 3 – Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
Die DGUV Vorschrift 3 zählt zu den wichtigsten Regelwerken im Elektrohandwerk. Sie verpflichtet Unternehmen dazu, elektrische Anlagen und Betriebsmittel regelmäßig prüfen zu lassen.
Ziele der DGUV Vorschrift 3
- Vermeidung von Stromunfällen
- Verhinderung von Bränden
- Sicherstellung des ordnungsgemäßen Zustands elektrischer Anlagen
- Früherkennung von Mängeln
Typische Prüfobjekte
- Verlängerungsleitungen
- Bohrmaschinen
- Winkelschleifer
- Baustromverteiler
- Schaltschränke
- Ortsfeste Anlagen
Photovoltaikanlagen und Dacharbeiten
Die Installation und Wartung von Photovoltaikanlagen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Gefährdungen durch Absturzrisiken und Gleichspannungssysteme.
Typische Gefährdungen
- Absturz vom Dach
- Durchsturz durch Lichtkuppeln
- Arbeiten bei Wind und Nässe
- Stromschläge durch PV-Module
- Fehlende Anschlageinrichtungen
Schutzmaßnahmen
- Absturzsicherungen
- Anschlagpunkte
- PSAgA
- Unterweisungen
- Wetterabhängige Arbeitsplanung
Lichtbogengefahren
Lichtbögen zählen zu den gefährlichsten Ereignissen im Elektrohandwerk. Bereits wenige Millisekunden können ausreichen, um schwerste Verbrennungen zu verursachen.
Mögliche Folgen
- Schwerste Verbrennungen
- Augenverletzungen
- Hörschäden
- Sekundärunfälle durch Schreckreaktionen
- Brandereignisse
Schutzmaßnahmen
- Lichtbogenschutzkleidung
- Gesichtsschutz
- Gefährdungsbeurteilung
- Geeignete Schaltverfahren
- Regelmäßige Unterweisungen
Leitern, Gerüste und Absturzsicherung
Viele Tätigkeiten im Elektrohandwerk werden in Höhen durchgeführt. Absturzunfälle gehören deshalb zu den schwersten Unfallereignissen im Handwerk.
Typische Gefährdungen
- Umstürzende Leitern
- Unsachgemäße Gerüstnutzung
- Fehlende Seitenschutzsysteme
- Arbeiten auf Dächern
- Durchsturzgefahren
Präventionsmaßnahmen
- Leiterprüfungen
- Gerüstkontrollen
- PSAgA
- Unterweisungen
- Sichere Zugänge
Asbest und Gefahrstoffe bei Sanierungen
Elektrounternehmen arbeiten häufig in Bestandsgebäuden. Bei Bohr-, Fräs- und Stemmarbeiten können Gefahrstoffe wie Asbest oder Quarzstaub freigesetzt werden.
Typische Gefährdungen
- Asbesthaltige Baustoffe
- Quarzstaub
- Mineralfasern
- Schimmelbelastungen
- Gefahrstoffe unbekannter Herkunft
Schutzmaßnahmen
- Gebäudeerkundung
- TRGS-konforme Arbeitsverfahren
- Atemschutz
- Staubarme Verfahren
- Absaugtechnik
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Die persönliche Schutzausrüstung stellt die letzte Schutzebene des STOP-Prinzips dar und muss entsprechend der Gefährdungsbeurteilung ausgewählt werden.
- Sicherheitsschuhe S3
- Elektrikerschutzhelm
- Schutzbrille
- Gehörschutz
- Lichtbogenschutzkleidung
- Warnschutzkleidung
- PSAgA
- Isolierende Handschuhe
BG ETEM, DGUV und weitere Regelwerke
- BG ETEM – Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
- DGUV Vorschrift 3
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
- VDE-Regelwerk
Referenzen aus dem Elektrohandwerk
KUHP Arbeitssicherheit betreut Unternehmen des Elektrohandwerks bei der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Unsere Leistungen umfassen unter anderem die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Baustellenbegehungen, die Beratung zu DGUV Vorschrift 3 sowie die Betreuung als externe Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Weitere Referenzen finden Sie auf unserer
Referenzseite.
Häufige Fragen zu Gefährdungen im Elektrohandwerk
Welche Gefährdung stellt das größte Risiko im Elektrohandwerk dar?
Zu den größten Risiken gehören Stromschläge, Lichtbogenunfälle sowie Abstürze bei Arbeiten auf Leitern, Gerüsten und Dächern.
Ist die DGUV Vorschrift 3 verpflichtend?
Ja. Unternehmen müssen elektrische Anlagen und Betriebsmittel regelmäßig prüfen lassen, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten.
Wann dürfen Arbeiten unter Spannung durchgeführt werden?
Arbeiten unter Spannung sind nur unter besonderen Voraussetzungen und durch speziell qualifizierte Beschäftigte zulässig.
Welche Bedeutung haben die fünf Sicherheitsregeln?
Die fünf Sicherheitsregeln bilden die Grundlage für sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen und dienen dem Schutz vor Stromunfällen.
Welche Rolle spielt die BG ETEM?
Die BG ETEM unterstützt Unternehmen des Elektrohandwerks mit branchenspezifischen Informationen, Regelwerken, Schulungen und Präventionsangeboten.
Weitere Gefährdungen nach Branche
- Gefährdungen nach Branche
- Gefährdungen auf Baustellen
- Gefährdungen im Lager
- Gefährdungen im Gartenbau-Großhandel
- Gefährdungen im Hotel
- Gefährdungen in der Gastronomie
- Gefährdungen in der Pflege
- Gefährdungen in der Arztpraxis
Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung im Elektrohandwerk
Elektrounternehmen unterliegen besonderen Anforderungen des Arbeitsschutzes. Stromunfälle, Lichtbogengefahren, Absturzrisiken und Baustellentätigkeiten erfordern eine sorgfältige Planung und Dokumentation aller Schutzmaßnahmen.
KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Elektrobetriebe bei der Erstellung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Baustellenbegehungen und der rechtssicheren Umsetzung der Anforderungen von DGUV, BG ETEM und Arbeitsschutzgesetz.