Gefährdungen in der Gastronomie | Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung

Gefährdungen in der Gastronomie – Beispiele für die Gefährdungsbeurteilung

Die Gastronomie gehört zu den Branchen mit einem besonders hohen Unfall- und Gesundheitsrisiko. In Küchen, Restaurants, Cafés, Kantinen, Bars und Cateringbetrieben treffen hohe Arbeitsgeschwindigkeit, heiße Arbeitsmittel, scharfe Werkzeuge, schwere Lasten und ein intensiver Gästekontakt aufeinander.

Beschäftigte sind täglich vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt. Dazu gehören Schnittverletzungen durch Messer, Verbrennungen an Herden und Fritteusen, Stolper- und Rutschunfälle, psychische Belastungen durch Zeitdruck sowie Gefahren beim Umgang mit Gefahrstoffen und elektrischen Geräten.

Eine systematische Gefährdungsbeurteilung unterstützt Arbeitgeber dabei, Gefahren frühzeitig zu erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Die folgende Übersicht zeigt typische Gefährdungen in gastronomischen Betrieben.

Typische Gefährdungen in der Gastronomie

Gefährdungsfaktor Mögliche Gefahr Mögliche Folgen
Messer und Schneidarbeiten Arbeiten mit Kochmessern Schnittverletzungen
Reinigung von Schneidgeräten Tiefe Schnittwunden
Unsachgemäße Aufbewahrung Verletzungsgefahr
Fritteusen und heiße Öle Kontakt mit heißem Fett Verbrennungen
Überlaufen von Fritteusen Verbrühungen
Fettbrände Schwere Personen- und Sachschäden
Herde, Backöfen und Grillgeräte Heiße Oberflächen Verbrennungen
Heißer Wasserdampf Verbrühungen
Offene Flammen Brandverletzungen
Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahren Fettige Böden Sturzunfälle
Nasse Reinigungsflächen Verletzungen
Unzureichende Ordnung Erhöhtes Unfallrisiko
Manuelle Lastenhandhabung Tragen von Getränkekisten Rückenbeschwerden
Transport von Lebensmitteln Muskel-Skelett-Erkrankungen
Heben schwerer Lasten Körperliche Überlastung
Gefahrstoffe und Reinigungsmittel Kontakt mit Reinigungschemikalien Hautreizungen
Einatmen von Dämpfen Atemwegsbeschwerden
Unsachgemäße Lagerung Gesundheitsgefährdungen
Elektrische Betriebsmittel Defekte Küchengeräte Stromschläge
Beschädigte Kabel Brandgefahr
Fehlende Prüfungen Elektrounfälle
Biologische Arbeitsstoffe Kontaminierte Lebensmittel Infektionsrisiken
Schimmelbildung Gesundheitsbeschwerden
Mangelhafte Hygiene Krankheitsübertragungen
Servicebereich Tragen schwerer Tabletts Körperliche Belastungen
Gedrängte Verkehrswege Zusammenstöße
Verschüttete Getränke Rutschunfälle
Psychische Belastungen Stoßzeiten Stress und Überlastung
Personalmangel Erhöhte Fehlerquote
Beschwerden von Gästen Psychische Beanspruchungen
Arbeitszeit und Schichtarbeit Wochenendarbeit Belastung der Erholung
Spätschichten Ermüdung
Überstunden Konzentrationsmängel
Brandschutz Fettbrände Schwere Sachschäden
Defekte Elektrogeräte Brandereignisse
Blockierte Fluchtwege Erschwerte Evakuierung
Kühl- und Lagerräume Niedrige Temperaturen Gesundheitliche Belastungen
Eingeschränkte Bewegungsflächen Stoßverletzungen
Rutschige Böden Sturzunfälle

Besondere Herausforderungen in der Gastronomie

Gastronomiebetriebe müssen hohe Anforderungen an Hygiene, Lebensmittelsicherheit, Arbeitsschutz und Brandschutz erfüllen. Gleichzeitig sorgen Stoßzeiten, wechselnde Gästezahlen und Personalmangel häufig für hohe körperliche und psychische Belastungen.

Eine regelmäßig aktualisierte Gefährdungsbeurteilung hilft dabei, Risiken zu minimieren und sichere Arbeitsbedingungen für Küchenpersonal, Servicekräfte, Thekenpersonal, Reinigungskräfte und Führungskräfte zu schaffen.

Weiterführende Informationen

Weitere Gefährdungen nach Branche

Schutzmaßnahmen in der Gastronomie nach dem STOP-Prinzip

Gastronomiebetriebe sind geprägt von hohen Arbeitsgeschwindigkeiten, wechselnden Belastungen und vielfältigen Tätigkeiten in Küche, Service, Lager und Spülküche. Um Arbeitsunfälle und Gesundheitsgefahren wirksam zu reduzieren, sollten Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip umgesetzt werden. Dabei haben technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen.

S – Substitution

  • Einsatz sicherer Schneidwerkzeuge und Schnittschutzhilfen
  • Verwendung weniger aggressiver Reinigungsmittel
  • Austausch beschädigter Küchengeräte
  • Einsatz ergonomischer Transporthilfen
  • Verwendung moderner Küchentechnik mit Sicherheitsfunktionen

T – Technische Schutzmaßnahmen

  • Rutschhemmende Bodenbeläge
  • Fettfilter- und Absauganlagen
  • Automatische Abschaltsysteme an Küchengeräten
  • Brandschutzanlagen
  • Mechanische Hebe- und Transporthilfen
  • Sichere Messeraufbewahrungssysteme
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Not-Aus-Einrichtungen an Maschinen

O – Organisatorische Schutzmaßnahmen

  • Gefährdungsbeurteilungen
  • HACCP-Konzepte
  • Brandschutzorganisation
  • Unterweisungen
  • Arbeitszeitmanagement
  • Reinigungs- und Hygienepläne
  • Notfall- und Evakuierungspläne
  • Regelmäßige Wartungen

P – Persönliche Schutzmaßnahmen

  • Sicherheitsschuhe mit rutschhemmender Sohle
  • Arbeitshandschuhe
  • Schnittschutzhandschuhe
  • Hitzeschutzhandschuhe
  • Schutzkleidung
  • Schutzbrillen bei bestimmten Tätigkeiten

Küchenarbeit und Messerverletzungen

Schnittverletzungen zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen in der Gastronomie. Insbesondere bei der Vorbereitung von Speisen, der Nutzung von Schneidemaschinen und der Reinigung von Messern besteht ein erhöhtes Unfallrisiko.

Typische Gefährdungen

  • Kochmesser
  • Brotschneidemaschinen
  • Aufschnittmaschinen
  • Gemüseschneider
  • Unsachgemäße Messerlagerung

Empfohlene Schutzmaßnahmen

  • Unterweisung im sicheren Umgang mit Messern
  • Schnittschutzhandschuhe
  • Geeignete Messerhalterungen
  • Regelmäßige Wartung von Schneidgeräten
  • Ordnung und Sauberkeit im Arbeitsbereich

Fritteusen, Fettbrände und Verbrennungsgefahren

Der Umgang mit heißen Ölen, Fritteusen, Herden und Backöfen birgt erhebliche Risiken für Beschäftigte. Verbrennungen und Verbrühungen gehören zu den häufigsten Verletzungen in Großküchen.

Typische Risiken

  • Kontakt mit heißem Fett
  • Überlaufen von Fritteusen
  • Heißer Wasserdampf
  • Heiße Oberflächen
  • Fettbrände

Schutzmaßnahmen

  • Regelmäßige Unterweisungen
  • Hitzeschutzhandschuhe
  • Wartung von Fritteusen
  • Geeignete Feuerlöscher für Fettbrände
  • Notfallmaßnahmen bei Verbrennungen

Lebensmittelhygiene und HACCP

Neben dem Arbeitsschutz spielt die Lebensmittelsicherheit in gastronomischen Betrieben eine zentrale Rolle. Hygienemängel können sowohl Gäste als auch Beschäftigte gefährden.

Wichtige HACCP-Themen

  • Wareneingangskontrollen
  • Kühlkettenüberwachung
  • Dokumentation von Temperaturen
  • Reinigung und Desinfektion
  • Vermeidung von Kreuzkontaminationen

Präventionsmaßnahmen

  • Hygieneunterweisungen
  • Dokumentierte Kontrollen
  • Regelmäßige Eigenkontrollen
  • Persönliche Hygiene
  • HACCP-Konzept

Gefahrstoffe und Reinigungsmittel

In Küchen und Gasträumen werden zahlreiche Reinigungs- und Desinfektionsmittel eingesetzt. Unsachgemäßer Umgang kann zu Haut- und Atemwegsbeschwerden führen.

Typische Gefährdungen

  • Kontakt mit Reinigungsmitteln
  • Verätzungen
  • Allergische Reaktionen
  • Atemwegsbelastungen
  • Gefahrstoffmischungen

Schutzmaßnahmen

  • Gefahrstoffverzeichnis
  • Sicherheitsdatenblätter
  • Unterweisungen
  • Geeignete Lagerung
  • Persönliche Schutzausrüstung

Kühlhäuser und Lagerräume

Lagerräume und Kühlhäuser stellen besondere Anforderungen an die Sicherheit von Beschäftigten. Temperaturunterschiede und eingeschränkte Platzverhältnisse erhöhen das Unfallrisiko.

Typische Gefährdungen

  • Rutschige Böden
  • Kältebelastungen
  • Stoßverletzungen
  • Eingeschränkte Sichtverhältnisse
  • Schwere Lasten

Schutzmaßnahmen

  • Geeignete Schutzkleidung
  • Regelmäßige Reinigung
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Ordnung und Sauberkeit
  • Unterweisungen

Servicebereich und Gästekontakt

Beschäftigte im Service stehen unter hohem Zeitdruck und haben direkten Kontakt zu Gästen. Dadurch entstehen körperliche und psychische Belastungen.

Typische Belastungen

  • Tragen schwerer Tabletts
  • Langes Stehen
  • Beschwerden von Gästen
  • Konfliktsituationen
  • Stoßzeiten

Empfohlene Maßnahmen

  • Kommunikationstrainings
  • Ergonomische Arbeitsorganisation
  • Ausreichende Personalbesetzung
  • Arbeitszeitmanagement
  • Unterweisungen

Nachtarbeit und psychische Belastungen

Lange Öffnungszeiten, Schichtarbeit und hohe Gästezahlen können zu psychischen Belastungen führen. Arbeitgeber müssen diese Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.

Belastungsfaktoren

  • Schichtarbeit
  • Nachtarbeit
  • Personalmangel
  • Arbeitsverdichtung
  • Hohe Gästeerwartungen

Präventionsmaßnahmen

  • Faire Dienstplanung
  • Ausreichende Erholungszeiten
  • Mitarbeitergespräche
  • Psychische Gefährdungsbeurteilung
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen

Persönliche Schutzausrüstung in der Gastronomie

  • Sicherheitsschuhe mit rutschhemmender Sohle
  • Schnittschutzhandschuhe
  • Hitzeschutzhandschuhe
  • Schutzkleidung
  • Schutzbrillen bei bestimmten Tätigkeiten
  • Einweghandschuhe bei Hygienetätigkeiten

BGN-Regelwerke und weiterführende Informationen

Häufige Fragen zu Gefährdungen in der Gastronomie

Ist eine Gefährdungsbeurteilung in der Gastronomie Pflicht?

Ja. Arbeitgeber müssen nach § 5 Arbeitsschutzgesetz alle relevanten Gefährdungen ermitteln und geeignete Schutzmaßnahmen festlegen.

Welche Arbeitsunfälle treten in der Gastronomie besonders häufig auf?

Zu den häufigsten Unfällen zählen Schnittverletzungen, Verbrennungen, Verbrühungen sowie Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle.

Welche Rolle spielt die BGN?

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe unterstützt Betriebe mit branchenspezifischen Handlungshilfen, Regelwerken und Präventionsangeboten.

Was ist HACCP?

HACCP ist ein präventives Konzept zur Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit und zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken für Gäste und Beschäftigte.

Welche Schutzmaßnahmen sind in Küchen besonders wichtig?

Besonders wichtig sind sichere Messerführung, Schutz vor Verbrennungen, rutschhemmende Böden, Unterweisungen sowie geeignete persönliche Schutzausrüstung.

Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung in der Gastronomie

Gastronomiebetriebe stehen vor besonderen Herausforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Eine fachgerecht erstellte Gefährdungsbeurteilung hilft dabei, Arbeitsunfälle zu vermeiden, gesetzliche Anforderungen einzuhalten und sichere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte zu schaffen.

KUHP Arbeitssicherheit unterstützt Restaurants, Cafés, Kantinen, Imbisse, Cateringbetriebe und gastronomische Einrichtungen bei der Erstellung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen sowie bei der Umsetzung praxisnaher Arbeitsschutzmaßnahmen.

KUHP Arbeitssicherheit – Ihr Büro für Arbeitssicherheit. Wir bieten die sicherheitstechnische Betreuung gemäß DGUV Vorschrift an.

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